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Heft 1, 13 Titel, 40 Seiten, Feb. 1998

Titel Seite
Hubertusmesse  
Introitus 6
Kyrie 8
Gloria 9
Offertorium 12
Sanktus 14
Glocken 16
Agnus Dei 18
Zum Ausgang 20
Jagdstücke  
Der Wadlbeißer 22
Der Moosjager 25
Der Gschaftlhuber 28
Der Almdudler 30
Der Holzjager 32

Vorwort

Über die Hubertus-Messe für Jagdhörner in B
Sakrileg oder Herausforderung?

Hubertus-Messen haben bei der reitenden Jagd in Belgien und Frankreich ein lange Tradition. Seit etwa 200 Jahren geben Jäger und Reiter der Liturgie herbstlicher Gottesdienste mit ihren Parforcehörnern einen ganz besonderen Klang. Fremd ist diese Musik für "deutsche Ohren" immer geblieben. Und doch vergißt kaum jemand die Faszination der ersten Begegnung mit der Trompe de Chasse und mit den Chören und Fanfaren der Grande Messe de Saint-Hubert in ihrer ursprünglichen Fassung.

Um die Mitte der fünfziger Jahre begann das Interesse der deutschen Jägerschaft, insbesondere der Jagdhornbläser für diese Form jagdlicher Gottesdienste zu wachsen. Französische Parforcehorn-Gruppen bliesen die Messe während der Internationalen Ausstellung für Jagd und Sportfischerei 1954 in Düsseldorf und später im Xantener Dom anläßlich einer Ordenstagung des deutschen Falkenordens. Bald danach tauchten die ersten Parforcehörner in den Bläsergruppen der Landesjagdverbände auf und vereinzelt hörte man französiche Fanfaren und Jagdstücke als Ergänzung zum Repertoire der deutschen Jagdsignale und Jägermärsche.

Um die Mitte der sechziger Jahre sammelte sich der "Kurpfälzer Jagdhornbläserkreis Heidelberg" um Rheinhold Stief, den späteren Landes-Bläserobmann in Baden-Württemberg, und weckte das Parforcehorn in Es buchstäblich aus dem Dornröschenschlaf. Dieses Horn war im 19. Jahrhundert vor allem in Böhmen und Österreich in Gebrauch, verlor aber mit dem Rückgang der höfischen Jagd zunehmend an Bedeutung. Es entspricht in Tonumfang und Bauweise im wesentlichen der französischen Trompe, klingt aber weicher und voller im Ton.

Mit den ersten Schallplatten-Aufnahmen der Kurpfälzer und vielen Auftritten bei Jagdhorn-Wettbewerben, Jägertagen und Jagdausstellungen wurde das Parforcehorn in Es zusammen mit der Hubertus-Messe breiten Kreisen der Jagdhornbäser in Deutschland näher gebracht. Immer mehr Bläsergruppen rüsteten sich mit umschaltbaren Parforcehörnern aus, bei denen ein Ventil den Wechsel zwischen den Tonarten B und Es erlaubt. Damit ist sowohl das Zusammenspiel mit Fürst-Plesshörnern in gemischten Gruppen möglich als auch die Interpretation traditioneller Literatur auf dem Es-Horn allein.

Als Notenvorlage für die Hubertus-Messe ist bei uns bis heute die 1934 veröffentlichte Zusammenstellung von J. Cantin weit verbreitet, die ihrerseits auf Sammlungen französischer Autoren aus dem vorigen Jahrhundert zurückgeht. Daneben hat sich die Bearbeitung von Reinhold Stief durchgesetzt. Sie greift die Cantin-Messe auf und berücksichtigt den besonderen Charakter der Es-Hörner, der sich in Ton und Blastechnik erheblich von dem der französischen Schwester Trompe unterscheidet.

Mittlerweile hat sich die Hubertus-Messe im Repertoire vieler Bläsergruppen fest etabliert. Zusammen mit der Verbreitung des Parforcehorns in Es wurden zahllose Fanfaren und Jagdstücke aus alten Sammlungen ausgegraben. Neue Bearbeitungen und Kompositionen haben die Literatur inzwischen bereichert und bieten zusammen mit den überlieferten Stücken ein weites Betätigungsfeld für ambitionierte Parforcehornbläser. Soweit hat die Integration der Es-Hörner bei der Pflege und Entwicklung jagdlichen Brauchtums in den vergangenen 30 Jahren zweifellos positive Akzente gesetzt.

Angesichts dieser insgesamt erfreulichen Entwicklung muß allerdings auch darauf geachtet werden, daß der Bezug zwischen Jagdmusik und aktueller jagdlicher Praxis hierzulande gewahrt bleibt. Mittlerweile hört und liest man bereits von der Hohen oder Konzertanten Jagdmusik, deren Interpretation den Parforcehörnern in Es vorbehalten sei. Diese verengte Sichtweise stempelt das Fürst-Pleß-Horn zum nachrangigen Signalinstrument und hat in vielen Bläsergruppen dazu geführt, das Es-Horn als Königsweg zu sehen und nicht als sinnvolle Ergänzung zum eigentlichen Jagdgebrauchshorn. Mancherorts haben sich Es-Horn-Gruppen aus den Gemischten Bläsergruppen der Kreisjagdverbände herausgelöst und sind zu diesen in Konkurrenz getreten. Dadurch wurde das Bemühen der Jägerschaft um die Plege jagdlichen Brauchtums und eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit zeitweise unnötig erschwert. Im Ergebnis hat eine "Es-lastige" Verlagerung bläserischen Potentials begonnen und damit eine unkontrollierte Ausdünnung der Gemischten Bläsergruppen zumindest an guten Parforcehorn-Bläsern.

Es ist also an der Zeit, diesen Trend zu überprüfen und der Arbeit auf Fürst-Pleß- und Parforce-Hörnern in B wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Bläsergruppe des Kreisjagdverbands Erding e.V. hat in dieser Hinsicht einige Anstrengungen unternommen, um interessierten Jagdhornbläsern auch in Zukunft ein attraktives Betätigungsfeld zu bieten. Neben einer Reihe von anspruchsvollen Jagdstücken entstand die vorliegende Bearbeitung der überlieferten Hubertus-Messe für Fürst-Pleß-Hörner und Parforce-Hörner in B. Anders als bisher wird hier das Parforce-Horn dem Fürst-Pleß-Horn als Melodie-Instrument gleichwertig gegenübergestellt und nicht mehr als bloßer Harmonielieferant vernachlässigt. Der kombinierte Tonumfang beider Hörner in der Melodieführung erschließt so musikalische Möglichkeiten, die bislang von Gemischten Bläsergruppen wenig genutzt wurden.

Die Puristen unter den Hubertusjüngern haben in den vergangnen 25 Jahren nie recht zur Kenntnis genommen, wenn Hubertus-Messen auch von B-Hörnern musikalisch umrahmt wurden. Die "Jägermesse" von Hermann Neuhaus wurde 1970 eigens für Gemischte Bläsergruppen geschrieben. Seitdem tauchten weitere Kompositionen auf, die sich aber alle weit entfernten von der ursprünglichen Form der traditionellen Hubertus-Messe und daher letztlich wenig Akzeptanz gefunden haben. Zu sehr sind die 200 Jahre alten Chöre und Fanfaren der Grande Messe de St. Hubert bereits in den Ohren deutscher Jäger verwurzelt, als daß eine Neukomposition noch wirkliche Impulse geben könnte.

Die Erdinger Bearbeitung für Fürst-Pleß-Hörner und Parforce-Hörner in B hält sich hingegen weitgehend an die überlieferte Form der Hubertus-Messe wie sie zuletzt von Cantin und Stief festgeschrieben wurde. Bei der Übertragung auf die Naturtonreihe der B-Hörner bleibt die Folge der bekannten Stücke in ihrer liturgischen Anordung erhalten. Der dynamische Wechsel zwischen getragenen Chören und kraftvoll geblasenen Fanfaren ist ebenso original, wie die rhythmisch gegenläufigen Passagen der Einzelstimmen im Wechselspiel miteinander. Die Anpassung der Melodien an den begrenzten Tonumfang der B-Instrumente verlangt Kompromißbereitschaft, lebt aber durch die Beschränkung auf das Wesentliche und durch den stimmlichen Kontrast zwischen kleinen und großen Hörnern.

Dem parforcegewohnten Ohr wird diese Hubertus-Messe im Pleß-Horn-Gewand zunächst ungewöhnlich klingen. Allerdings mag den Liebhaber der Trompe die gezähmte Fassung der Messe für Parforce-Hörner in Es vor etwa 30 Jahren ähnlich fremd berührt haben. Zwischen dieser und der französischen Interpretation klafft ohnehin bereits ein herber Unterschied, der in jüngster Zeit besonders eifrig diskutiert wird, weil viele Gruppen dazu übergegangen sind, das umschaltbare Parforce-Horn als Ventilhorn in der Tonart Es zu blasen.

Die technische Diskussion um die richtige Interpretation und das passende Horn wird für die Botschaft der Hubertus-Messe am Ende ohne Nutzen bleiben. Die Bläsergruppe Erding arbeitet weiter unter großem Einsatz an einer neuen Ausdrucksform überlieferten Brauchtums mit dem einfachen Ziel, das Horn nach der Jagd mit in die Kirche zu nehmen und so dem zentralen Gedanken des Heiligen Hubertus von kritischer Überprüfung und ständiger Erneuerung seinen unverwechselbaren Klang zu geben.

Erding, im Januar 1998

Dr. Michael Welsch
Leiter der Jagdhorn-Bläsergruppe
im Kreisjagdverband Erding e.V.


Dr. Michael Welsch, 2003